Ein frischer Kratzer im Parkett und du greifst zur Zahnpasta – klingt vertraut, oder? Viele Möbelhersteller warnen davor, doch in meiner Praxis habe ich gesehen, dass es oft erstaunlich gut klappt. Warum du trotzdem vorsichtig sein solltest und wie du es richtig machst, erfährst du hier. Lies das jetzt, bevor du mit der falschen Paste losreibst.
Warum das Möbelwerk davon abrät
Möbel- und Parketthersteller reagieren reflexartig: Keine Schleifmittel auf der Oberfläche, keine Hausmittel, die die Schutzschicht angreifen. Das hat Gründe:
- Fertige Oberflächen (Lack, Öl, UV-härtende Schichten) können matt werden oder glänzen ungleichmäßig.
- Farbpigmente und Fluoride in Zahnpasta können Rückstände hinterlassen.
- Tiefe Kratzer verschwinden nicht — sie werden nur kaschiert.
Diese Warnung ist ernst gemeint, besonders bei neuen oder teuren Parkettböden und Mietwohnungen in Deutschland, wo Vermieter genau hinsehen.
Und warum es trotzdem oft funktioniert
Ich bemerkte bei mehreren älteren Böden: Eine weiße, nicht-gelartige Zahnpasta wirkt wie sehr feines Schmirgelpapier. Sie poliert die Oberfläche minimal und füllt winzige Rillen optisch auf.

- Zahnpasta enthält feine Abrasiva (z. B. Hydrated Silica) — sie entfernt nahezu unsichtbare Matteinschläge.
- Bei oberflächlichen Kratzern sorgt Polieren für einen optisch einheitlicheren Glanz.
- Der Effekt ist temporär, dafür günstig: 1–3 € für eine Tube statt 20–100 € für Reparatursets.
Welche Zahnpasta wählen?
Nicht jede Paste ist gleich. Nutze nur eine einfache, weiße, nicht-gelartige Paste ohne starke Farbstoffe oder Whitening-Partikel.
- Keine Gelpasten (sie hinterlassen Streifen).
- Keine pasten mit Mikroperlen oder intensiven Whitening-Zusätzen.
- Billige Drogerie-Paste (z. B. aus DM oder Rossmann) reicht oft.
Wann du es auf keinen Fall probieren solltest
- Bei matt geöltem Parkett oder naturbelassenen Holzböden — die Oberfläche kann fleckig werden.
- Bei tiefen Kratzern, die das Holz selbst freilegen.
- Wenn der Boden ganz neu ist oder unter Garantie steht.
Meine Schritt-für-Schritt-Anleitung — sicher testen!
Teste zuerst an einer unauffälligen Stelle (z. B. unter dem Sofa). Wenn das Ergebnis passt, erst dann den sichtbaren Bereich behandeln.
- 1) Reinigung: Staub und Schmutz mit Mikrofaser entfernen.
- 2) Menge: Eine erbsengroße Portion weiße Zahnpasta auf ein weiches Baumwolltuch.
- 3) Reiben: Mit kreisenden Bewegungen ca. 20–30 Sekunden leicht polieren. Nicht drücken.
- 4) Abwischen: Mit leicht feuchtem Tuch Rückstände entfernen, danach trockenwischen.
- 5) Schützen: Bei Bedarf mit Parkett-Öl oder Möbelpolitur (aus Obi/Hornbach) nacharbeiten, um den Glanz anzugleichen.
Die Wirkung ist wie bei einem feinen Radiergummi: Kurz, lokal und nicht immer dauerhaft. Wenn du ein sichtbares Ergebnis willst, wiederhole den Vorgang einmal nach 24 Stunden.

Alternativen und Kostenvergleich
Wenn du kein Risiko eingehen willst, greife zu bewährten Mitteln:
- Holzreparatur-Stifte (Ikea, Bauhaus) — ca. 5–15 €.
- Wachs-Füllmasse für Parkett — ca. 10–30 € für kleine Schäden.
- Professionelle Nachbehandlung oder Abschleifen — ab ~50 € pro qm, oft teurer.
- Hausmittel: Walnuss (einreiben) funktioniert bei sehr kleinen Kratzern, weil das Öl die Maserung dunkelt.
In der Heizperiode in Deutschland sind Böden trockener und Kratzer fallen stärker auf — darum ist schnelle, günstige Behandlung mit Zahnpasta für viele praktisch.
Praktische Tipps, die kaum jemand sagt
- Bei dunklem Parkett: Test besonders gründlich, weil weiße Rückstände sichtbarer sind.
- Nutze ein weiches Poliertuch, kein Küchenpapier — das kratzt zusätzlich.
- Vermeide stark alkalische Reinigungsmittel nach der Behandlung; sie können die Furnierkante angreifen.
- Wenn du zur Miete wohnst: Foto machen, Nachbarn fragen — oft ist schneller kleiner Pfusch besser als teure Fachreparatur.
By the way, denk an die Versicherung: Für tiefe Schäden lohnt sich oft die Handy-Foto-Dokumentation vor und nach der Reparatur.
Ich habe das an meinem 12 Jahre alten Eichendielenboden ausprobiert — das Ergebnis: der Kratzer war optisch reduziert, die Fläche blieb intakt. Keine Garantie, aber ein guter erster Versuch.
Nun bist du dran: Probierst du Zahnpasta auf deinem Parkett – oder gehst du lieber den offiziellen Weg?









