Viele Hausbesitzer glauben, die Heizung sei eine Blackbox: „Anmachen, warm werden, fertig.“ Dabei steckt ein Fehler dahinter, den ich in mehr als zehn Jahren Recherche und vielen Hausbesuchen immer wieder sehe — und der teuer wird. Kurz gesagt: Wenn Ihre Heizung mit zu hoher Vorlauftemperatur läuft und kein hydraulischer Abgleich vorhanden ist, zahlen Sie unnötig. Bei Einfamilienhäusern sind das Hunderte Euro, in großen Altbauten oder Mehrfamilienhäusern leicht tausende.
Was genau ist der Fehler?
Der Klassiker besteht aus zwei Komponenten, die zusammen besonders teuer sind:
- Die Vorlauftemperatur (die Temperatur, die aus dem Kessel in die Heizkörper geht) ist dauerhaft zu hoch eingestellt.
- Der hydraulische Abgleich fehlt — Wasser verteilt sich nicht gleichmäßig im System, einige Räume werden überhitzt, andere bleiben kalt.
Warum kostet das so viel?
Hohe Vorlauftemperatur bedeutet: der Brenner arbeitet öfter in einem ineffizienten Bereich, Brennwerttechnik wird nicht optimal genutzt, und Verluste an Rohrleitungen steigen. Ohne hydraulischen Abgleich pumpt die Umwälzpumpe länger und stärker, manche Heizkörper sind auf Anschlag, andere kaum genutzt — das erhöht Verbrauch und Verschleiß.

Zahlen, die weh tun (konkret)
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein 150‑m²‑Altbau verbraucht mit falscher Einstellung 30% mehr Gas. Bei einem Jahresverbrauch von 3.000 € sind das 900 € extra. In einem Mehrfamilienhaus mit mehreren Wohnungen summieren sich ähnliche Prozentsätze schnell auf mehrere Tausend Euro.
Studien und Energieberater berichten von Einsparpotenzialen durch Maßnahmen wie hydraulischen Abgleich und witterungsgeführte Regelung zwischen 10–25 %. Das ist kein Marketing‑Sprech, das ist echte Bilanz.
Wie finden Sie den Fehler? Kurze Checkliste
- Schauen Sie auf den Kessel: Ist die Vorlauftemperatur dauerhaft über 60 °C eingestellt? Moderne Brennwertgeräte arbeiten effizienter mit niedrigeren Temperaturen.
- Fühlen Sie die Heizkörper: Manche sind glühend heiß, andere nur lauwarm? Das ist ein Signal für fehlenden hydraulischen Abgleich.
- Hören Sie die Pumpe: Ständiges Rauschen oder Vibrieren deutet auf falsche Pumpenstufe hin.
- Programm Ihrer Steuerung: Keine Nachtabsenkung oder alle Räume permanent auf Hochtouren? Zeitprogramme prüfen.
- Letzter Schornsteinfeger‑ oder Wartungsbericht: Wann war die letzte professionelle Heizungswartung?

Schnelle und dauerhafte Maßnahmen
- Vorlauftemperatur senken: Für Heizkörperheizungen oft 45–55 °C ausreichend. Bei Fußbodenheizung ganz anders — prüfen Sie Herstellerangaben.
- Hydraulischen Abgleich durchführen lassen: Kostet einmalig, spart jährlich. Viele Installateure bieten das an; teilweise mit Fördermitteln.
- Pumpe runterschalten oder auf Bedarfsregelung umrüsten: Moderne Hocheffizienzpumpen verbrauchen deutlich weniger Strom.
- Witterungsgeführte Regelung installieren: Die Steuerung passt die Vorlauftemperatur automatisch an Außentemperatur an.
- Einfacher Tipp: Thermostate nicht dauerhaft auf „5“ lassen — cleveres Regeln spart viel.
Förderung und Fachleute
Prüfen Sie Förderprogramme (BEG/BAFA/KfW) für Effizienzmaßnahmen — oft gibt es Zuschüsse für Abgleich, Pumpentausch oder Regelungstechnik. Empfehlenswert ist, vor größeren Maßnahmen einen Energieberater zu beauftragen; der spart meist mehr, als er kostet.
Fazit
Der Fehler ist banal und verbreitet — und teuer. Ich habe selbst bei vielen Häusern gesehen, wie nach einer Stunde grundlegender Einstellung und einem hydraulischen Abgleich die Heizkosten deutlich sanken. Wenn Sie Ihre Heizkosten halbwegs im Blick behalten wollen: starten Sie mit der Checkliste, lassen Sie die Vorlauftemperatur prüfen und scheuen Sie sich nicht vor dem Abgleich. Es ist eine Investition, die sich schnell rechnet.
Haben Sie ähnliche Erfahrungen oder konkrete Fragen zu Ihrem Heizungsmodell (Vaillant, Viessmann, Buderus, Bosch)? Schreiben Sie in die Kommentare — ich antworte gern mit praktischen Schritten.









