Bist du es leid, jeden Haarriss in den Fliesen als „für später“ abzuhaken? Ich habe selbst gesehen, wie ein Kollege eine Tube Zahnpasta aus der Tasche zog und einen Riss in Sekunden unscheinbar machte.
Das funktioniert überraschend oft — aber es ist kein Allheilmittel. Lies weiter, wenn du wissen willst, wann Zahnpasta hilft, wie du sie richtig einsetzt und welche Fallen in deutschen Wohnungen lauern.
Warum Handwerker heimlich zur Zahnpasta greifen
In meiner Praxis auf Baustellen und bei Kundenterminen taucht Zahnpasta immer wieder auf. Nicht, weil sie perfekt ist, sondern weil sie praktisch ist.
- Zahnpasta ist überall: Baumarkt (Bauhaus, Hornbach), Drogerie (dm, Rossmann) oder ohnehin im Bad.
- Weiße, pastöse Zahnpasta füllt feinste Risse und trocknet matt — ideal für Fotos oder kurzfristige Lösungen.
- Preis: Eine Tube kostet meist 1–3 €; deutlich günstiger als Reparaturmörtel.
- Schnell zu verarbeiten: kein Anmischen, keine Wartezeit für Abbinden.
Das ist kein dauerhaftes Reparaturverfahren, sondern ein provisorischer Trick — wie ein Pflaster auf einer Schürfwunde. Aber für Kundenbesuche, Mietwohnungen oder für temporäre Abdeckungen funktioniert es oft.
Was in der Zahnpasta steckt — und warum das hilft
Zahnpasta enthält Schleifpartikel (z. B. Silika), Bindemittel und Verdicker. Diese Komponenten sorgen dafür, dass die Paste kurzzeitig Volumen gibt und beim Trocknen eine feste Oberfläche bildet.
Stell es dir vor wie ein kleiner, trocknender Spachtel: nicht so stark wie Epoxid, aber ausreichend, um einen Haarriss optisch zu kaschieren.

Wann Zahnpasta funktioniert — und wann nicht
- Gute Fälle: feine Haarrisse in Fliesen oder Fugen, trockene Innenräume (Wohnzimmer, Flur).
- Keine Option: tragende Risse, lose Fliesen, feuchte Bereiche (Dusche, Balkon) — dort braucht es Profi-Materialien.
- Farb-Matching: weiße Zahnpasta kaschiert helle Fliesen; dunkle oder gemusterte Fliesen bleiben problematisch.
Viele übersehen, dass Wasserkontakt Zahnpasta auswäscht. In Bädern wirst du schnell enttäuscht sein.
Schritt-für-Schritt: So nutzt du Zahnpasta richtig (kurzfristig)
Ich empfehle diesen Ablauf, den ich oft bei kurzfristigen „Vorher“-Abnahmen verwendet habe:
- Reinigen: Riss frei von Staub und Fett wischen (Alkohol oder Spülwasser, gut trocknen).
- Richtige Paste wählen: klassische weiße, nicht-gel Zahnpasta (keine Gel-Farben).
- Auftragen: Mit einem Zahnstocher oder Spachtel wenig Zahnpasta in den Riss drücken.
- Glätten: Überschuss mit einem feuchten Finger oder Tuch abziehen.
- Trocknen lassen: mindestens 12–24 Stunden, je nach Schichtdicke.
- Finish: leichtes Anschleifen mit feinem Sandpapier (optional) und Versiegeln mit klarem Nagellack oder transparenter Fugensiegelung, wenn es trocken bleibt.
Ein kleiner Tipp aus der Praxis: Für sehr feine Risse reicht oft ein Tropfen Zahncreme auf einem Zahnstocher — weniger ist mehr.
Alternativen, die du im Baumarkt findest (und wann du sie wählen solltest)
- Fugenmörtel / Reparaturmörtel — für dauerhafte Fugen- und Fliesenreparaturen.
- Epoxidharz-Füller — bei tragenden oder feuchtigkeitsbelasteten Bereichen.
- Sanitär-Silikon — bei Bewegungsfugen oder Feuchträumen.
Wenn du in Deutschland einkaufst: Hornbach, Obi oder Bauhaus haben günstige Reparatur-Kits; Rossmann und dm bieten zwar Zahnpasta, aber keine langfristigen Baustoffe.

Die Fallen — was dich teuer zu stehen kommen kann
- Zahnpasta verblasst oder gelblich mit der Zeit — besonders bei Sonneneinstrahlung.
- Feuchte zerstört die Füllung schnell; Schimmelbildung ist möglich.
- Jemand könnte die provisorische Lösung als dauerhafte sehen — und das Problem verschlimmern.
Wenn du das Problem langfristig lösen willst, ruf lieber einen Fliesenleger — das erspart dir später teure Nacharbeit.
By the way: Ein kleiner Vergleich, der hängen bleibt
Zahnpasta als Rissfüller ist wie ein Kaffee-To-Go für eine verlorene Mittagspause: schnell, verfügbar und tröstlich — aber kein Ersatz für ein richtiges Essen.
Praktischer Quick-Check vor der Anwendung
- Ist der Riss tiefer als 1–2 mm? → Nicht benutzen.
- Liegt der Riss in einer Nasszone? → Finger weg.
- Muss die Optik dauerhaft halten? → Lieber Profi-Material.
Wenn du es nur vorübergehend brauchst — für Fotos, Vermietungsübergaben oder einen schnellen Besuch vom Vermieter — ist Zahnpasta ein cleverer, günstiger Trick.
Am Ende geht es darum abzuwägen: Willst du schnelle Optik oder dauerhafte Sicherheit? Ich habe beides gesehen — und die Reparatur, für die man Zahnpasta wählte, musste später oft doch erneuert werden.
Was war deine kreativste DIY-Lösung bei häuslichen Schäden? Teile deine Erfahrungen — vielleicht hat jemand einen besseren Trick.









